Wichtige Laboruntersuchungen im Überblick
Ein einfaches Lipidprofil mit Gesamtcholesterin, LDL und HDL, wie es in vielen Praxen üblich ist, reicht nicht aus, um das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen fundiert einzuschätzen. Verschiedene weitere Laborparameter sind für eine differenziertere Risikoeinschätzung wichtig und helfen zudem dabei den Behandlungsverlauf zu evaluieren. Im Folgenden erklären wir die Aussagekraft der einzelnen Laborparameter.
Die Standardparameter
Folgende Parameter werden standardmäßig bestimmt:
- Gesamtcholesterin: Der aktuelle Grenzwert liegt hier bei 200 mg/dl. In Teil 1 unserer Reihe erklären wir anhand von Studien, dass höhere Werte sogar vorteilhaft für die Gesundheit sein können. Dieser Wert hat allein nur eine geringe Aussagekraft.
- LDL-Cholesterin: Dieser Wert ist oft die Grundlage für eine Statintherapie. Der Grenzwert beträgt aktuell 160 mg/dl. Dieses Vorgehen ist jedoch problematisch, da der LDL-Wert alleine keine Aussage über Größe, Dichte oder Entzündungsstatus der Partikel liefert. Zudem kann der Wert fehlerhaft sein, da Labors ihn in der Regel nicht messen, sondern berechnen. Mehr dazu im Folgenden.
- HDL-Cholesterin: Dies ist ein wichtiger Wert, der idealerweise über 60 mg/dl liegen sollte. HDL-Cholesterin ist in der Lage oxidiertes und „verbrauchtes“ Cholesterin abzutransportieren und kann selbst nur sehr schwer oxidiert werden. Es schützt somit die Gefäße.
- Triglyzeride: Hohe Triglyceridwerte korrelieren mit ungünstigen Formen des LDL-Cholesterins, die leichter zur Plaque-Bildung in den Gefäßen führen. Hohe Werte entstehen durch eine zu hohe Kohlenhydratzufuhr und überkalorische Ernährung, wodurch auch das Level an Entzündungen im Körper steigt. Der Triglycerid-Wert sollte idealerweise zwischen 50 und 100 mg/dl liegen.
Somit können wir festhalten: Der Gesamtcholesterin- und der LDL-Wert haben alleine nur eine begrenzte Aussagekraft. Als Ausnahme zu nennen sind extrem erhöhte Werte, die auf eine familiäre Hypercholesterinämie hinweisen können (siehe Teil 1). Der HDL-Wert und die Triglyceride sind wichtige Parameter, um die Gesundheit einzuschätzen.
Der Cholesterinspiegel schwankt natürlicherweise
Wichtig zu beachten ist außerdem, dass zahlreiche Faktoren zu phasenweisen Veränderungen des Cholesterinspiegels führen können. Dies sind natürliche Regulationsvorgänge des Körpers, die sich wieder normalisieren, wenn die Ursache behoben ist.
Wichtige Einflussfaktoren sind z. B. Stress, Infektionen, Mikronährstoffmängel, eine Schilddrüsenunterfunktion (z. B. bei Hashimoto) und intensiver Sport.
LDL wird nicht gemessen, sondern berechnet
Eine weitere interessante Tatsache ist, dass in den meisten Laboruntersuchungen der LDL-Wert nicht gemessen wird, sondern aus dem Gesamtcholesterin, HDL und den Triglyceriden berechnet wird. Dazu wird die sogenannte Friedewald-Formel verwendet, die aus den 70er Jahren stammt. Bei niedrigen oder sehr hohen Triglycerid-Werten kommt es mit dieser Formel jedoch zu falsch hohen Werten des LDLs.
Hat also eine gesund lebende, junge Person ganz unerwartet hohe LDL-Cholesterinwerte (z. B. 190 mg/dl) dann kann dies an ihren niedrigen Triglycerid-Werten (z. B. 50 mg/dl) liegen, was ja eigentlich vorteilhaft für die Gesundheit ist. Würde man diese Laborwerte in eine modernere Formel einsetzen (z. B. nach Cordova (1)), so wären die LDL-Werte plötzlich deutlich niedriger.
Die Friedewald-Formel lautet:
LDL-Cholesterin = Gesamtcholesterin - HDL-Cholesterin - (Triglyceridwert / 5)
Durch einsetzen der eigenen Laborwerte in diese Formel, kann man prüfen, ob die LDL-Werte auf diese Weise berechnet wurden.
Erweiterte Diagnostik
Für eine verbesserte Einschätzung des Risikos von Herzkreislauf-Erkrankungen eignen sich folgende Labor-Parameter:
- LDL-Subfraktionen: In Teil 1 erklären wir, dass sogenannte „small dense LDL“-Partikel ein besonders hohes Risiko darstellen. Diese entstehen vor allem bei hoher Entzündungslast im Körper. In speziellen Laboruntersuchungen können die verschiedenen LDL-Fraktionen aufgeschlüsselt werden.
- Oxidiertes LDL: Durch die Analyse des oxidierten LDLs kann festgestellt werden, welche LDL-Partikel bereits entzündlich verändert sind. Atherosklerose wird letztlich durch oxidiertes LDL verursacht. Das „small dense LDL“ oxidiert besonders leicht.
- Lipoprotein a: Dies ist ein genetisch determinierter Risikomarker für Herzkreislauf-Erkrankungen. Lipoprotein a sollte mindestens einmal im Leben gemessen werden, da er durch den Lebensstil kaum verändert werden kann. Ein erhöhter Wert bedeutet, dass man besonders konsequent auf seine Ernährung und Lebensweise achten muss.
- ApoE-Genotyp: Der ApoE4-Genotyp ist ebenfalls ein genetischer Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen. Auch hier gilt: Betroffene Personen müssen besonders intensiv auf ihre Ernährung und Lebensweise achten und benötigen z. B. besondere Formen von Omega 3. Weitere Informationen finden Sie in Teil 1. Zudem können weitere genetische Risikofaktoren untersucht werden.
Daneben ist es sinnvoll, den Insulinstoffwechsel zu prüfen, da eine Insulinresistenz Entzündungsprozesse fördert, die Bildung von „small dense LDL“ begünstigt und somit maßgeblich zur Entstehung von Atherosklerose beiträgt.
Auch die Untersuchung der Leberwerte und ein Leberultraschall sind wichtig, da die Leber eine zentrale Rolle im Fettstoffwechsel spielt und Störungen wie eine nicht-alkoholische Fettleber den Cholesterin- und Triglyceridstoffwechsel erheblich beeinträchtigen können.
Zur Beurteilung der Gefäßgesundheit können außerdem Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagader oder der Bauchschlagader sinnvoll sein, da sie frühzeitig Hinweise auf Plaques oder Gefäßwandveränderungen liefern.
Cholesterinwerte natürlich verbessern
Für eine günstige Beeinflussung des Cholesterinstoffwechsels und zur Senkung des Risikos für Herzkreislauf-Erkrankungen spielen Ernährung, Bewegung und gezielte Mikronährstoffe eine zentrale Rolle. Die folgenden Maßnahmen lassen sich gut in den Alltag integrieren und unterstützen den Körper dabei, Entzündungen zu reduzieren, den Fettstoffwechsel zu regulieren und die Gefäßgesundheit zu verbessern.
Antientzündliche Ernährung als Basis
Empfehlenswert ist eine mediterrane Ernährungsweise mit viel Gemüse, gesunden Fetten und Proteinen und ausreichend Ballaststoffen. Dabei ist es wichtig auf verarbeitete Lebensmittel und eine übermäßige Kohlenhydratzufuhr zu verzichten.
Warum Ballaststoffe so wichtig sind
Ballaststoffe binden Gallensäuren im Darm. Da Gallensäuren aus Cholesterin hergestellt werden und im enterohepatischen Kreislauf normalerweise wiederverwendet werden, führt das Binden und Ausscheiden dieser Gallensäuren dazu, dass der Körper verstärkt neues Cholesterin zu Gallensäuren umbauen muss – und so sinkt der Cholesterinspiegel auf natürliche Weise.
Der durchschnittliche Ballaststoffkonsum liegt mit 5–10 g pro Tag deutlich unter dem empfohlenen Bereich von 30–50 g pro Tag. Eine langsame Steigerung ist sinnvoll, damit sich der Darm an die höhere Menge gewöhnt und keine Beschwerden entstehen.
Bitterstoffe helfen zusätzlich
Bitterstoffe stimulieren die Gallenproduktion zusätzlich und unterstützen damit die Verdauung von Fetten und den Abtransport von Cholesterin. Natürliche Quellen sind z. B. verschiedene Kohlsorten und bittere Salate wie Rucola oder Löwenzahn. Ergänzend eignen sich auch Bitterstoffpräparate aus Kräutern oder Pflanzenextrakten. Am wirksamsten werden sie vor dem Essen eingenommen, um die Gallensäureproduktion rechtzeitig anzuregen.
Wichtige Vitalstoffe ergänzen
Eine ausreichende Zufuhr von Vitalstoffen ist eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden Fettstoffwechsel und gesunde Blutgefäße:
- Omega-3-Fettsäuren: Ein Omega-3-Index von 9 - 12 % gilt als optimal für die Gesundheit des Herzkreislauf-Systems und die Entzündungsregulation. Unser Produkt DHA plus EPA liefert hochwertige, vegane Omega-3-Fettsäuren in hoher Dosierung.
- Cholin: Cholin ist wichtig für Leberfunktion, Fettstoffwechsel und Zellmembranen. Im Darm-Hirn-Komplex sind neben Cholin zusätzlich weitere wichtige Nährstoffe wie L-Glutamin und Propionat zur Unterstützung der Darmgesundheit enthalten.
- S-Acetyl-Glutathion: Glutathion ist das wichtigste körpereigene Antioxidans und kommt in hohen Gehalten besonders in der Leber vor. Unser Präparat S-Acetyl-Glutathion liefert hoch bioverfügbares Glutathion zur Stärkung der Leber und zum Schutz vor oxidativem Stress.
- Pflanzliche Antioxidantien: Phytoextrakte liefern wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die oftmals eine starke antioxidative Wirkung haben. Hierzu haben wir u. a. Curcumin Plus entwickelt, das hochverfügbares Curcumin mit zahlreichen weiteren Pflanzenextrakten kombiniert. Phyto Redox ist ein weiteres zentrales Produkt unseres Sortiments, das verschiedene antioxidative und adaptogen wirkende Pflanzen kombiniert und sich vor allem durch seine regulierenden Eigenschaften auszeichnet.
- Nattokinase: In Nattokinase Komplex ist hochwertiges Natto aus fermentierten Sojabohnen mit einer Gemüsepulvermischung, Aminosäuren und Coenzym Q10 zur Stärkung der Mitochondrien kombiniert.
Ausreichend Bewegung
Bewegung ist ein weiterer zentraler Faktor für einen gesunden Cholesterinstoffwechsel. Sie regt die Darmtätigkeit an, fördert den Muskelaufbau und verbessert die Insulinsensitivität sowie die Entzündungsregulation. Schon regelmäßiges zügiges Gehen wirkt positiv, zusätzlich empfehlen sich moderater Ausdauersport und Krafttraining, um die Stoffwechselfunktion langfristig zu verbessern.
Die Leber unterstützen
Die Leber ist das zentrale Organ des Fett- und Cholesterinstoffwechsels. Sie stellt Cholesterin her, baut es ab, bildet Gallensäuren und reguliert Entzündungsprozesse. Eine gute Leberfunktion ist daher entscheidend für gesunde Cholesterinwerte.
Unterstützend wirken:
- Leberwickel, die in der Naturheilkunde zur Förderung der Durchblutung und Stoffwechselaktivität eingesetzt werden.
- Stressreduktion und emotionale Entlastung, da erhöhter Stress die Leberfunktion beeinträchtigen und Entzündungsprozesse verstärken kann.
- Phytoextrakte und antioxidative Mikronährstoffe, wie S-Acetyl-Glutathion oder Phyto Redox, die die Leberfunktion und die Neutralisation freier Radikale unterstützen.
Fazit
Cholesterin ist wichtig für zahlreiche Körperfunktionen. Ein zu niedriger Cholesterinspiegel kann daher ebenso problematisch sein wie ein deutlich erhöhter. Entscheidend ist die Balance: Cholesterinwerte sollten so reguliert sein, dass sie den Stoffwechsel unterstützen, ohne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch oxidiertes oder „small dense“ LDL zu erhöhen.
Statt das Cholesterin um jeden Preis zu senken, stehen ein gesunder Lebensstil, die Reduktion von Entzündungen und oxidativem Stress sowie eine gute LDL- und HDL-Qualität im Vordergrund. Eine moderne Diagnostik berücksichtigt daher weit mehr als nur den LDL- oder Gesamtcholesterin-Wert. Aus einem isoliert erhöhten LDL eine Statintherapie abzuleiten, wird der Komplexität des Stoffwechsels nicht gerecht.
Quellen
- de Cordova CM, de Cordova MM. A new accurate, simple formula for LDL-cholesterol estimation based on directly measured blood lipids from a large cohort. Ann Clin Biochem. 2013 Jan;50(Pt 1):13-9. doi: 10.1258/acb.2012.011259. Epub 2012 Oct 29. PMID: 23108766.